SENZA TITOLO - Nunzio & Dessi - zwei italienische Künstler aus der Sammlung Biedermann

Magazin Ausgabe: November / Dezember 2012 / Januar 2013

Schwarz, weiß und gelb: diese drei Farben dominieren die aktuelle Ausstellung im Museum Biedermann Donaueschingen. In „SENZA TITOLO“ (Ohne Titel) werden mit Nunzio und Gianni Dessì zwei bedeutende italienische Künstler aus der Sammlung Biedermann erstmals gemeinsam präsentiert. Beide verwandeln Material und Oberfläche in große, emotionale Kunstwerke, deren Magie man sich kaum entziehen kann.

 

Italienische Kunst nimmt in der Sammlung Biedermann eine besondere Stellung ein. Seit über zwanzig Jahren pflegt die Sammlerin Margit Biedermann engen Kontakt zur „Nuova scuola romana“ (Neue römische Schule), einer Gruppe römischer Künstler, zu denen auch Nunzio und Dessì gehörten.

 

Nunzio zählt in Italien zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Generation. 1954 in den Abruzzen geboren, lebt und arbeitet er heute in Rom und Turin. Seine bevorzugten Materialien sind Holz und Blei, die er sowohl einzeln wie kombiniert verwendet. Dabei geht es ihm um die Hervorhebung der stofflichen Qualitäten und Oberflächenwirkung. Sie dienen ihm als Medien, um das Licht in einen intensiven, lebendigen Dialog mit dem Raum zu bringen. Dazu verbrennt er das Holz meist an der Oberfläche und erzeugt so eine schwarze, samtige Kohleschicht, die auf besondere Weise das Licht reflektiert. In der Ausstellung ist auch eine zwölf Meter lange, gewölbte und drei Tonnen schwere Arbeit aus COR-TEN-Stahl zu sehen, die – teilweise perforiert – dem Raum ein völlig neues Erscheinungsbild gibt. Balance und Harmonie, Leichtigkeit und Eleganz finden sich in all seinen Arbeiten.

 

Nunzios Werken werden die seines Künstlerkollegen Gianni Dessì gegenüber gestellt. Gigantisch wirken seine oft rätselhaften Figuren oder Körperfragmente. So formt er beispielsweise aus Agavefasern und Wachs auf Maschendraht ein übermannsgroßes Wesen. Über der Figur ist an der Wand ein schlichter schwarzer Kreis gemalt, der sich auch auf dem ansonsten weißen Gebilde selbst fortsetzt. Je nachdem, wo der Betrachter steht scheint es, als ob die Figur den Kreis trage, als ob Skulptur und Kreis miteinander verschmelzen würden. Diese Interaktion zwischen Malerei, Skulptur und Betrachter wiederholt sich in vielen seiner Arbeiten.

 

Dessìs OEuvre reicht von kleinen Gemälden bis zu Installationen. 1955 in Rom geboren und dort lebend, führt er einen Dialog zwischen Malerei und Bildhauerei, dem Bereich der Fläche und dem der dritten Dimension. Charakteristisch sind starke Kontraste in Schwarz und Weiß, teilweise kombiniert mit einem leuchtenden Gelb von großer Strahlkraft.

 

Während Nunzio also gewissermaßen das Material und dessen Eigenschaften inszeniert, nutzt Dessì verschiedene Materialien um „räumliche Bildszenarien“ zu kreieren. Jedoch gerade über diese sehr sinnliche Erfahrung ihrer Kunstwerke leiten uns die beiden Künstler bei dem Versuch einer Interpretation auf eine “andere“, immaterielle Ebene, die sich der eindeutigen Begrifflichkeit entzieht.

 

14.10.2012 – 16.06.2013

Ort: Museum Biedermann, Donaueschingen

 

Weitere Informationen unter www.museum-biedermann.de