THE MOONWALKERS

Magazin Ausgabe: April / Mai 2014

Im Gespräch mit dem Musiktherapeuten Arnd Schröder über Kommunikationsstrukturen in integrativen Musikgruppen.

Arnd, wer sind die Moonwalkers?
Die Band besteht aus einer kleinen Gruppe von Menschen mit Behinderung, die im gleichnamigen Arbeitskreis der Christusgemeinde Freiburg im Jahre 2008 von mir gegründet wurde. Damals gab es für Menschen mit Behinderung regional keine Möglichkeit, ihr musikalisches Wissen zu professionalisieren. Da sich kaum jemand vorstellen konnte, dass die Themen ,Menschen mit Behinderung‘ und ,semiprofessionelle Musik‘ miteinander vereinbar sind und weil auch kaum qualifiziertes Personal mit-arbeitete, war eine Immatrikulation an einer Musikschule bislang in den Statuten nicht vorgesehen.

Kannst du unseren Lesern eine Vorstellung davon vermitteln, wie ihr arbeitet?
Wir begannen mit einfachen kleinen Musikstücken aus dem World music-Bereich. Parallel dazu befassten wir uns mit Inhalten, die in etwa in den ersten Semestern einer vergleichbaren Musikschule gelehrt werden: Gehörbildung, Rhythmusschulung, Instrumentenkunde und Notation. Dazu muss man wissen, dass das Kommunizieren der Inhalte nicht didaktisch über Erklärungen geschieht, sondern mehr über praktisches Tun und Nachahmen. Je nach Art der Behinderung braucht jemand mehr oder weniger Zeit für das Verstehen. Wir haben uns von Anfang an nicht mit einfachsten Stücken aufgehalten, da es oft ein Klischee ist, dass Menschen mit Behinderung ein bisschen trommeln, ein bisschen klatschen und dann sich am einfachsten Anspruch orientieren.

Indem wir die MusikerInnen, wie jeden anderen auch, ernst nehmen und ihnen folglich etwas zutrauen, können sie daran wachsen. Mit der Zeit hat sich dann herausgestellt, dass sie sich mit schwierigeren Inhalten beschäftigen wollen und auch durchaus dazu in der Lage sind. Ich muss ganz klar sagen, dass alle MusikerInnen in der Band außergewöhnlich musikalisch sind.

Wie bringst du dein Know-how als Musiktherapeut ein?
In meiner Arbeit geht es mir darum, wahrzunehmen, wo mein Gesagtes eine Resonanz im Gegenüber findet. Ich habe mir in knapp 18 Jahren Feldenkraisarbeit einen Pool von “Erreichbarkeitsmöglichkeiten” erarbeitet, um die richtige “Tonlage” in der Bandarbeit zu finden. Die Befindlichkeiten eines jeden Menschen ändern sich vielfach am Tage, so muss auch ich immer wieder neu beobachten und spüren, was in diesem Moment möglich ist.

Was musst du im Umgang mit ,deinen‘ Musikern besonders berücksichtigen?
Insgesamt kommunizieren integrative Persönlichkeiten äußerst unterschiedlich miteinander. Unser Gitarrist Lars z. B. sagt innerhalb der Probenarbeit öfters Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit dem Moment zu tun zu haben scheinen. Manchmal ist das auch so, doch meist ist es ein Zeichen dafür, dass irgendeine Information etwas in ihm ‚geweckt‘ hat und er sich auf jeden Fall mit dem Moment auseinandersetzt – auf seine eigene Art und Weise. Natürlich stößt das nicht immer auf Gegenliebe, aber wir alle sind ja auch nur Menschen mit mal mehr, mal weniger Toleranzvermögen.

Grundsätzlich sehe ich bei Menschen mit Behinderung keine ,Nachteile‘, sondern ,Aufgaben‘. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich Menschen mit Behinderung inzwischen oft als authentischer und achtsamer wahrnehme als soganannte ‚fitte‘ Zeitgenossen. Ihnen sind Muster wie Abchecken, Verhaltensstrategien, Berechnung zum eigenen Vorteil gänzlich fremd. Das bedeutet nicht, dass sie frei von ,negativen‘ Zügen sind, aber das ist aus meiner Sicht wie bei jedem anderen Menschen auch: Mal sind wir so, mal sind wir so.

Arnd vielen Dank für das Gespräch.

Die Moonwalkers sind am 15.Juni bei
,Freiburg stimmt ein‘ live zu erleben.
Weitere Informationen unter: www.horchzeit.org