Lebenskünstler

Magazin Ausgabe: Februar / März 2014

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen gleich zwei Unternehmen aus dem Kulturpark Freiburg vor, die Lebenskünstler und Windhorse. Beide Einrichtungen bieten Angebote für Menschen in besonderen Lebenssituationen an. Obwohl sie annähernd ähnliche Anliegen haben, unterscheiden sich beide deutlich in Ihren Ansätzen.

Was sind die LebensKünstler? 
„LebensKünstler – Kultur für alle“ ist ein Projekt, das im letzten Jahr gestartet wurde. Die Lebenskünstler werden von einem Trägerverbund, bestehend aus dem Caritasverband Freiburg Stadt, dem Diakonischen Werk Freiburg, dem Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V. und dem Verein Schwere(s)Los! getragen. Die grundlegende Idee ist, Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen, die Teilhabe an Kunst und Kultur zu ermöglichen. Das Projekt ist ein niedrigschwelliges Angebot. Interessierte müssen keinerlei Vorbedingungen erfüllen, um mitzumachen.
Die Kunstangebote finden an acht Standorten in Freiburg statt. Alle sind innerstädtisch gelegen und gut zu erreichen. Zentraler Ort des Projekts ist der Kulturpark in Freiburg. Sämtliche Angebote laden zum aktiven Mitmachen ein. Das Projekt ist ein aktivierendes Angebot. Teilnehmende können durch ihr eigenes künstlerisches Schaffen eigene Talente entdecken, Kontakt zu anderen Menschen herstellen und ihr Selbstvertrauen stärken. Für Interessierte, die sich ein Mitmachen in den bestehenden Gruppen (noch) nicht zutrauen, gibt es ein kunsttherapeutisches Angebot.

Wie sind die LebensKünstler entstanden?
Die Initiative für ein Projekt, das Menschen mit wenig oder keinem Geld aktive kulturelle Teilhabe ermöglichen sollte, ging von der Gruppe KunstHartz des Vereins Schwere(s)Los! e.V. aus. Um das Vorhaben zu finanzieren, wurde im September 2008 ein Antrag beim Europäischen Sozialfonds gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Allerdings hatte der damalige Leiter im Bereich Wohnungslosigkeit bei der Caritas erkannt, dass die Idee zukunftsweisend war und kam auf den Verein zu, um gemeinsam die Möglichkeiten einer Durchführbarkeit zu erörtern. Es wurde schnell klar, dass 1. weitere Träger ins Boot geholt werden sollten, die im Bereich Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankungen verankert sind und 2. die Aktion Mensch ein geeigneter Finanzierungspartner sein könnte. Nachdem mithilfe der Caritas die Projektbeantragung Fahrt aufgenommen hatte und weitere Träger, namentlich die Diakonie und der Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V., gefunden waren, kam die Beantragung durch die Pensionierung des Ansprechpartners bei der Caritas fast zum Erliegen, woraufhin die Diakonie in die Bresche sprang und die Antragstellung weiter- und schließlich, nach insgesamt mehr als drei Jahren Antragszeit, zum guten Ende führte.

Welche Leistungen bieten die LebensKünstler?
Die LebensKünstler haben eine bunte Palette von künstlerischen Angeboten. Diese reichen von Theaterspiel, Chormusik, Weidenflechten, Puppenbau und Puppenspiel über Bühnentechnik, Malen bis hin zu einer Schreibwerkstatt. Diese Angebote sind rein künstlerisch angelegt, auch wenn Selbsterfahrung und Erfahrung in der Gruppe eine große Rolle spielen. Zusätzlich gibt es ein kunsttherapeutisches Angebot, das eine intensivere Auseinandersetzung mit sich selbst ermöglicht.

Wie sieht deren konkrete Arbeit aus?
Konkret wirken mehrere Künstler unterschiedlicher Sparten (Theater, Musik, Malerei, Töpfern, Puppenbau, Weidenflechten) sowie zwei Kunsttherapeuten mit, die in verschiedenen Institutionen der Wohnungslosenhilfe und Tagesstätten für psychisch Erkrankte wöchentliche oder vierzehntägliche Angebote für alle Interessierten durchführen. Zentraler Stützpunkt ist ein Raum im Kulturpark Freiburg, in dem mehrere der Angebote stattfinden. Dabei ist es für die Teilnehmenden nicht zwingend, wohnungslos oder psychisch krank zu sein, da die Angebote inklusiv sind und somit allen Interessierten eine Teilnahme ermöglichen. Für uns interessant ist es hier, durch die Angebote eine Begegnungsplattform für Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zu schaffen, auf der zwangloses Kennenlernen und, so hoffen wir, nachfolgend auch Verständnis für die Lebenssituation des jeweiligen Anderen Raum finden kann.

Welche konkreten Ziele haben die LebensKünstler?
Wir wollen das Mitmachen bei Kunst und Kultur für alle Menschen ermöglichen. Was bisher eine Frage des Geldes war, soll nun allen Interessierten offen stehen. Auch Interessierte, deren psychische Situation den Rahmen eines üblichen Bildungsangebotes sprengt, finden hier Raum für ihren persönlichen Ausdruck. Das birgt ebenfalls die Herausforderung an die anbietenden Künstler, nicht lediglich eine vorformulierte Tätigkeit zu präsentieren, sondern die Interessen bei den Teilnehmenden heraus zu spüren und aufzugreifen. Kunst darf entstehen als Ausdruck höchster Eigenart.

Wie sehen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten?
Unser Wunsch wäre es, das Projekt zu einem dauerhaften Angebot weiter zu entwickeln, das nicht nur für die genannten Personenkreise gedacht ist, sondern sich auch in andere Bereiche hinein orientiert. Dies könnten vor Ort weitere Zielgruppen wie z.B. Asylbewerber sein, wobei unser Anliegen dabei immer bleibt, Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Bereichen zu ermöglichen, sodass Vernetzungen möglich werden. Des Weiteren bestehen bereits Kontakte zu sozial engagierten Vereinen in Basel und Mulhouse. So können Begegnungen auch über die Grenzen hinaus möglich werden z.B. dadurch, dass ein gemeinsames Theaterstück erarbeitet wird. Unsere Erfahrungen mit Menschen in prekären Lebenslagen zeigen, dass der Bedarf und Wunsch nach Begegnung „über den Tellerrand hinaus“ sehr groß ist, da er im sonstigen Lebensalltag nicht erfüllt werden kann und der Horizont entsprechend zu schrumpfen droht.

Wie findet man zu den LebensKünstler?
In allen Freiburger Institutionen der Wohnsitzlosenhilfe sowie Tagesstätten für psychisch kranke Menschen liegen Flyer der LebensKünstler mit dem jeweils aktuellen Programm aus bzw. machen Plakate darauf aufmerksam. Ebenfalls wird die Zeitung „Der Freie Bürger“ in regelmäßigen Abständen damit bestückt. Sowohl im „Freien Bürger“ als auch in der Badischen Zeitung sind bereits Artikel zu den LebensKünstlern erschienen. Im Internet sind Informationen über die LebensKünstler unter www.diakonie-freiburg.de zu finden. Mit weiteren Klicks gelangt man über Netzwerkprojekte zu den LebensKünstlern. Dort stehen die aktuellen Veranstaltungstermine. Bei Fragen können sich Interessierte unter der Freiburger Nummer 283019 oder der Mailadresse lebenskuenstler@diakonie-freiburg.de an den Projektleiter Jürgen Lange wenden.

Kann man die LebensKünstler Unterstützen?
Um das Anliegen der LebensKünstler, Kultur für alle zu ermöglichen, sind wir auf Spenden angewiesen. Die Spenden werden für die Kunstangebote und deren Ausbau verwendet. Sie tragen damit zur Förderung versteckter Talente und zur Begegnung von Menschen bei, die bisher so nicht zusammenkommen. (Interessierte finden die Kontoangaben auf unserer unten angegebenen Website).

Gab es besondere Veranstaltungen / Highlights / Begebenheiten / Erfolge?
Bisher gab es mehrere musikalische Auftritte der LebensKünstler unter anderem bei Tagen der Offenen Tür bzw. Weihnachtsfeiern von Einrichtungen der Wohnsitzlosenhilfe oder Tagesstätten für psychisch kranke Menschen. Ein Highlight war die musikalische Begleitung des Gottesdienstes zum Gedenken der verstorbenen Wohnsitzlosen im Münster am 12. November 2013. Durch das Zusammenwirken der einzelnen Angebote war es möglich, kleine Texte zu den jeweiligen Verstorbenen zu erstellen, die verlesen wurden. Für jeden Verstorbenen wurde ein bemalter Kieselstein (aus dem Malangebot) vor dem Altar abgelegt, sodass ein buntes Mosaik entstand.

Natürlich kommt es auch immer wieder zu denkwürdigen Begebenheiten, z.B. wenn in einem der Malangebote mehrere Menschen an einem großen Wandgemälde zusammenfinden und jemand vom Drogenstrich eine kleine zerbrechliche Blume darauf malt. Oder wenn eine schwer psychisch erkrankte Frau, die vor vielen Jahren Flöte unterrichtet hatte, bei der Weihnachtsfeier ihre Flöte dabei hat und spontan mitspielt.
Diese kleinen Begebenheiten zeigen uns immer wieder, wie wichtig unsere Arbeit ist, und stimmen uns zuversichtlich.

Herr Lange wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen den Lebenskünstlern weiter viel Erfolg.

Weitere Informationen unter: www.diakonie-freiburg.de/index.php?lebenskuenstler-2