Windhorse

Magazin Ausgabe: Februar / März 2014

Vor einem Jahr konnten wir Windhorse Freiburg e. V., Verein zur Förderung psychischer Gesundheit und ganzheitlicher Behandlung psychischer Erkrankungen als neuen Mieter begrüßen. Er bereichert den Kulturpark Freiburg nicht nur durch ein weiteres Spektrum der angebotenen Leistungen, sondern auch durch ausgesprochen angenehme MitarbeiterInnen.

Wir sprachen mit Andrea Rühlemann, 1. Vorsitzende von Windhorse Freiburg e.V.

Guten Tag Andrea, kannst du uns kurz erklären, was Eure Arbeit ausmacht?
Wir alle werden während unseres gesamten Lebens auf die eine oder andere Weise mit sehr belastenden Situationen konfrontiert. Einer von fünf Menschen in Europa ist diesen Situationen phasenweise nicht gewachsen und erkrankt an einer diagnostizierten psychischen Erkrankung.

Es gibt in Freiburg natürlich verschiedenste Angebote für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Eine Hilfestellung allerdings, die die grundlegende, jedem Menschen innewohnende geistige Gesundheit würdigt, kann für Betroffene äußerst hilfreich sein. Unserer Erfahrung nach gibt es einen solchen Ansatz in der Region nicht. Windhorse geht von dem Konzept der grundlegenden geistigen Gesundheit („basic sanity“) aus. Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen zu jeder Zeit das Potential der geistig klaren Momente haben.
Um es auf den Punkt zu bringen, könnte man vielleicht sagen: Gleichgültig wie verwirrt, ängstlich oder psychotisch ein Mensch erscheinen mag oder sein mag, wir von Windhorse sind davon überzeugt, dass das Auftauchen und Aufwachen aus diesem Zustand möglich ist.

Woher stammt der Windhorse-Ansatz?
Dieser Ansatz entstand Anfang der 1980er Jahre in den USA. Der amerikanische Psychiater, Dr. med. E. Podvoll entwickelte in Zusammenarbeit mit dem tibetischen Gelehrten Chögyam Trungpa Rinpoche ein Behandlungs- und Begleitungskonzept ursprünglich für Menschen in psychotischen Lebensphasen. Inzwischen gibt es auch in Deutschland, Italien, der Schweiz und Österreich Windhorse-Organisationen, die Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen ambulant, also in deren Zuhause oder in therapeutischen Wohngemeinschaften begleiten. Dabei ist diese Arbeit sehr erfolgreich.
Ich persönlich habe vor ca. 8 Jahren angefangen, dieses Konzept in meine Arbeit als Ergotherapeutin mit Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einfließen zu lassen. Ich bin selbst oft wirklich erstaunt, wie einfach und effektiv das sein kann.

Seit wann gibt es Euch in Freiburg?
Windhorse Freiburg e.V. hat sich vor ca. 3 Jahren gegründet. Die Gründungsmitglieder sind Angehörige von Menschen mit einer psychischen Erkrankung, Professionelle, also SozialarbeiterInnen, HeilpädagogInnen, ErgotherapeutInnen usw. die in diesem Bereich beruflich tätig sind und Betroffene. Wir wünschten uns einen Verein, der genau diese Hilfestellung mit diesem Ansatz ermöglicht.

Obwohl ihr ja mit relativ leidvollen Lebensumständen zu tun habt, strahlt ihr doch immer einen starken Optimismus aus, worauf gründet der? Kernstück der Windhorse-Arbeit ist die Basisbegleitung. Sie basiert auf dem wertschätzenden, achtsamen Umgang miteinander. Die Methoden, um dies umsetzen zu können, sind recht einfach und können prinzipiell von jedem Menschen erlernt werden. Das sind psychosoziale und kontemplative Methoden, die es uns ermöglichen sollen, auf der Basis einer wertfreien und akzeptierenden Kommunikation mit den Klienten zu arbeiten. Das heißt, wir setzen nicht nur auf berufliche Qualifikation und Berufserfahrung in der Arbeit, sondern Windhorse unterstützt und schult die in der Basisbegleitung Engagierten auch besonders. Wir verstehen die Basisbegleitung als einen Prozess. Es ist ein gegenseitiger Lernprozess bei dem sowohl die BegleiterInnen als auch die KlientIn lernen. Mit Hilfe der oben erwähnten Methoden soll es uns ermöglicht werden, bei sich selbst zu bleiben und dennoch in herzlichem Kontakt mit dem Gegenüber zu sein. Man kann es auch als Training der Achtsamkeit beschreiben. Dadurch profitieren alle – wir, die begleiten und die Klienten und deren Angehörige. Und so kann diese Arbeit durchaus sehr viel Spaß machen! (lacht)

Ist die Atmosphäre im Kulturpark Freiburg hilfreich?
Ja, unbedingt! (lacht) Wir unterhalten seit einem Jahr unser Büro im Kulturpark Freiburg. Die Bürogemeinschaft in unserem Stockwerk erlebe ich als sehr angenehm und unterstützend. Wir schätzen uns einfach glücklich, den Windhorse-Ansatz umsetzen zu können. Und natürlich sind wir froh, wenn wir ins Büro nebenan gehen können und Tipps beispielsweise bei technischen Problemen bekommen. Das sind ja teilweise alte Hasen und wirklich hilfsbereit.

Mit welchen Organisationen arbeitet ihr zusammen?
Wir begleiten Menschen im Rahmen des Persönlichen Budgets, einer Form der Eingliederungshilfe,…

Persönliches Budget? Geld?
Ja, das ist eine Geldleistung. Eine Form der Eingliederungshilfe, die Menschen mit einer psychischen Erkrankung unter bestimmten Voraussetzungen erhalten können. Diese Leistungen werden von Trägern wie beispielsweise dem Sozialamt gewährt und sollen den Betroffenen, also Menschen mit einer Behinderung, in dem Fall einer Behinderung aufgrund einer psychischen Erkrankung, bei der Bewältigung ihres Alltags helfen. Das ist eine Teilhabeleistung. Diese Leistung kann auf Antrag als Geldleistung ausbezahlt werden, mit der Betroffene sich die notwendigen Hilfen einkaufen können. Windhorse Freiburg e.V. berät zu den Möglichkeiten und Voraussetzungen des Persönlichen Budgets und unterstützt die Antragstellung.

Wenn euch jemand unterstützen möchte, wie kann das aussehen?
Wir freuen uns über tatkräftige Mitglieder! Auch Spenden können uns natürlich sehr helfen. Für die Schulungen oder auch Ferien- und Freizeitangebote sind uns Geldspenden sehr willkommen.
Da es gerade Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung häufig sehr schwer haben, eine adäquate Wohnung in Freiburg zu finden, wäre Wohnraum eine riesige Hilfe. Und über eine Zusammenarbeit mit möglichen Arbeitgebern für unsere Klienten würde ich mich persönlich sehr freuen.

Möchtest Du unseren LeserInnen zum Abschlusss noch etwas mitgeben?
„Wende Dein Gesicht der Sonne zu und der Schatten fällt hinter Dich“ von Chögyam Trungpa Rinpoche. Das beschreibt unsere Grundhaltung sehr schön.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

 

Weitere Informationen unter: www.windhorse-freiburg.de